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Januar 2014

Den letztens erwähnten gordischen Knoten konnten wir bis anhin leider noch nicht
lösen: die Pläne für unseren türkischen Weinbetrieb sind in den letzten Monaten nicht
wirklich vorangekommen.
Streckenweise zweifelten wir daran, unser Projekt überhaupt jemals verwirklichen zu
können.
Da sind zum einen ganz profane monetäre Gründe, aber auch die Zeit, die in der
Türkei investiert werden will, spielt eine Rolle. Und wieder einmal sind es die
unüberwindbar scheinenden staatlichen Hürden.
Am härtesten traf uns aber eine Erkenntnis, die wir erst im Sommer 2012, lange nach
dem Austrieb der Reben, realisierten:
Im Winter 11/12 muss es dermassen sibirisch kalt gewesen sein, dass uns ein grosser
Teil unserer Reben erfror.
Damit eine Tragrute auf 60 cm über Boden komplett abstirbt, dazu muss es über
mehrere Tage und Nächte um die minus 15 Grad Celsius kalt sein, denn die Rebe ist
eigentlich durch den im Holz eingelagerten zuckerhaltigen Rebensaft gegen Fröste gut
geschützt. Aber die Temperaturen und ein eisiger Wind damals im Februar 12 waren
wohl zu viel für die Pflanzen.
Wir hatten also keine - oder nur eine sehr kleine - Ernte im Herbst 2012, die wir
unserem Freund, dem Metzger Ahmet, überliessen.
Um zu retten, was zu retten war, liessen wir über den Sommer ganz unten am Stamm
gesprossene sogenannte Bodenschosse wachsen, unsere einzige Chance, dass die
Pflanzen überleben könnten.
Jetzt hiess es abwarten, ob und wieviele der Reben den nächsten Winter überstehen
würden.
Im Frühjahr 13 dann schnitten wir die betroffenen Pflanzen bis zu eben jenen
Bodenschossen herunter.
Das tat weh: aus Teenager – Reben wurden wieder Kleinkinder.
Wir rechneten darum auch im 2013 nicht mit einer Ernte und investierten deshalb im
letzten Sommer nur das absolute Minimum an Arbeitszeit in die Weinberge.
Umso überraschender für uns, dass wir diesen Herbst dann doch ein Barrique mit
unserer roten Assemblage 2013 füllen konnten!
Reben sind doch erstaunlich zähe Wesen.
Auch einen ersten Rheinriesling konnten wir keltern, den wir hoffentlich bald zeigen
können. Der Ertrag von 120 Liter steht zwar in keinem Verhältnis zum Aufwand, aber
wir sind trotzdem sehr stolz auf unseren Erstling!

Gefreut hat uns ausserdem dieses Jahr die mediale Aufmerksamkeit:
In der Reisebeilage der deutschen „ZEIT“ erschien im Februar ein Artikel über
türkischen Wein, bei dem wir mit unserem Projekt sehr ausführlich erwähnt wurden.
Wir trafen den Journalisten gar in Hamburg, wo wir ihm eine Flasche unseres Roten
überreichten.
Und die „Schweizerische Weinzeitung“ publizierte gleich einen mehrseitigen Beitrag
über unser Projekt unter der Rubrik „Swiss made“ (Schweizer, die im Ausland Wein
produzieren).
Wir bekamen als Reaktion darauf viele positive Zuschriften und Nachfragen.
Die Zukunft? Ganz ehrlich: wir wissen es nicht. Aber wir bleiben dran.
Wer sich die kalten Wintertage mit einem Roten versüssen will: wir haben im Frühjahr
unseren zweiten Jahrgang abgefüllt, diesmal vor allem aus Syrah, Carmenère, Petit
Verdot und Nebbiolo gekeltert.
Ein Tropfen, der schon viel eher unserer Vorstellung eines strengen, langsam
reifenden Charakterkerlchens entspricht als unser Erstling.
Jetzt, Ende 2013, beginnt sich dieser Wein langsam zu öffnen. In kleinen Mengen ist
diese rote Assemblage 2010 bei uns für 40 Franken die Flasche zu haben.